Hornissennest erkennen
Ein Hornissennest ist leicht an folgenden Merkmalen zu erkennen:
- Material: Das Nest besteht aus einem grauen bis graubraunen Papierkarton – einem Gemisch aus zerkautem Holz und Hornissenspeichel. Die Oberfläche wirkt marmoriert oder schuppig.
- Form: Oval bis tropfenförmig, mit einem Einflugsloch am unteren Ende oder der Seite.
- Größe: Wächst von Fußball-Größe (Juni) bis Fußballtasche-Größe (September/Oktober).
- Lage: Meist in Hohlräumen – nicht frei hängend wie manche Wespennester.
- Aktivität: Reger Flugverkehr am Einflugsloch, besonders in den Morgenstunden und abends.
Ein Hornissennest ist kein Erdnest – das ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zu manchen Wespenarten. Hornissen bauen immer in Hohlräumen über dem Boden.
Nestbau – wie entsteht ein Hornissennest?
Der Nestbau beginnt jeden Frühling neu – das alte Nest wird nicht wieder genutzt. Die Königin allein startet im April oder Mai mit dem Nestbau:
April–Mai: Gründungsphase
Die überwinterte Königin sucht einen geeigneten Hohlraum. Sie nagt Holzfasern von Bäumen, Zäunen oder Holzstrukturen ab, kaut sie mit Speichel zu Brei und formt erste Waben. Erste Eier werden gelegt.
Juni: Wachstumsphase
Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen und übernehmen Nestbau und Nahrungssuche. Das Nest wächst rasch – innerhalb von Wochen mehrere neue Wabenebenen.
Juli–September: Hochphase
Das Volk erreicht seine maximale Größe von 400–700 Tieren. Das Nest ist nun voll ausgebaut. Die Königin legt weiter Eier, darunter nun auch Drohnen (Männchen) und neue Königinnen.
Oktober–November: Auflösung
Junge Königinnen verlassen das Nest zur Paarung und suchen Überwinterungsquartiere. Altes Volk stirbt ab. Das Nest bleibt leer zurück – es wird im nächsten Jahr nicht wieder genutzt.
Beliebte Neststandorte
Hornissen bevorzugen trockene, warme, geschützte Hohlräume mit kleinem Einflugsloch. Häufige Standorte:
- Baumhöhlen (Eiche, Weide, Obstbäume)
- Rolladenkästen – besonders beliebt!
- Dachbodenhohlräume und Dachgauben
- Garagendächer und Geräteschuppen
- Mauerhohlräume und Fassadenhohlräume
- Nistkästen (auch Vogelkästen)
- Kompostkästen und Holzstapel
- Selten genutzte Schornsteine
Hornissen bauen grundsätzlich nicht im Erdreich – das ist ein Merkmal vieler Wespenarten, aber nicht der Hornisse.
Hornissennest im Rolladenkasten – was tun?
Der Rolladenkasten ist einer der häufigsten Neststandorte. Das ist für die Bewohner oft lästig, weil der Rolladen nicht mehr bedient werden kann. So gehen Sie vor:
Betätigen Sie den Rolladen während der Nestzeit (Mai–Oktober) möglichst nicht. Erschütterungen stressen das Volk und erhöhen das Stichrisiko. Im Notfall langsam und behutsam bewegen.
Praktisches Vorgehen bei Hornissennest im Rolladenkasten:
- Ruhe bewahren: Das Nest stört Sie, aber das Volk hat einen eigenen Einflug von außen. Innenräume sind meist nicht betroffen.
- Einflugsloch beobachten: Hornissen nutzen einen Spalt als Eingang. Merken Sie sich, wo dieser ist – wichtig für spätere Maßnahmen.
- Behörde kontaktieren: Untere Naturschutzbehörde anrufen, Situation schildern. Bei anerkannter Beeinträchtigung (z. B. Gesundheitsrisiko) kann eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.
- NABU einschalten: Manche NABU-Gruppen bieten kostenlose Umsiedlungen an.
- Warten: Ab Oktober ist das Nest verlassen. Dann Rolladen wieder nutzen, Einflugsloch im Winter verschließen.
Hornissennest entfernen – was ist erlaubt?
Hornissen sind nach § 44 BNatSchG streng geschützt. Das eigenmächtige Entfernen oder Zerstören von Hornissennestern ist verboten und kann mit Bußgeldern bis zu 65.000 Euro geahndet werden. Immer zuerst die Naturschutzbehörde kontaktieren.
Wann darf ein Nest entfernt werden?
Eine behördliche Ausnahmegenehmigung kann in bestimmten Fällen erteilt werden:
- Allergiker im Haushalt mit ärztlichem Nachweis
- Nest in direkt genutzten, gesundheitsgefährdenden Bereichen (z. B. Kinderspielplatz direkt darunter)
- Direktes Eindringen von Hornissen in Wohnräume
Auch mit Genehmigung muss die Nestentfernung von einem zertifizierten Schädlingsbekämpfer (Kammerjäger) oder einem ausgebildeten Fachmann durchgeführt werden. Laien sollten das Nest nie selbst entfernen – das Stichrisiko ist zu hoch.
Hornissennest entfernen lassen – so läuft es ab
- Behörde kontaktieren und Genehmigung beantragen
- Fachmann (Kammerjäger oder NABU) beauftragen
- Nest wird meist abends oder nachts entfernt (wenn die Tiere inaktiv sind)
- Umsiedlung in natürliche Standorte wenn möglich
- Einflugsloch danach verschließen
Hornissennest entfernen lassen – Kosten
Die Kosten für die professionelle Entfernung eines Hornissennests hängen von mehreren Faktoren ab:
| Faktor | Einfluss auf den Preis |
|---|---|
| Zugänglichkeit des Nests | Leicht zugänglich: günstiger; Dachboden, enge Hohlräume: teurer |
| Volksgröße | Kleines Volk (Mai/Juni) günstiger als großes Volk (August/September) |
| Region | Preise variieren regional stark |
| Umsiedlung vs. Vernichtung | Umsiedlung oft aufwändiger und teurer |
| Anfahrt | Oft pauschal berechnet |
Tipp: Der NABU bietet in vielen Regionen kostenlose oder kostengünstige Umsiedlungen an. Suchen Sie nach dem NABU-Kreisverband in Ihrer Region.
Manche Hausratversicherungen oder Wohngebäudeversicherungen übernehmen die Kosten für die Nestentfernung – prüfen Sie Ihre Police.
Hornissennestbau verhindern
So verhindern Sie, dass Hornissen im nächsten Jahr wieder nisten:
- Einflugslöcher verschließen: Im Winter (November–März), wenn das Nest verlassen ist, alle Öffnungen, Spalten und Hohlräume sorgfältig mit Silikon oder Bauschaum abdichten.
- Rolladenkästen abdichten: Alle Lücken im Rolladenkasten – innen und außen – schließen.
- Komposthaufen abdecken: Abgedeckte Kompostkästen sind für Hornissen weniger attraktiv.
- Holzstapel aufräumen: Nicht mehr genutzte Holzstapel können als Nistmaterial dienen.
- Nistkästen überprüfen: Vogelkästen im Winter reinigen und kontrollieren.
Wer Hornissen als nützliche Insektenjäger im Garten behalten möchte, kann einen speziellen Hornissenkasten aufstellen – einen großen Nistkasten an einer ruhigen Stelle im Garten. Das lenkt die Hornissen vom Haus weg und gibt ihnen einen idealen Brutplatz. Im Herbst kann das Nest aus dem Kasten entnommen und entsorgt werden.
NABU & Naturschutz – Hilfe beim Hornissennest
Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) ist eine wichtige Anlaufstelle bei Hornissenfragen. Viele NABU-Gruppen vor Ort:
- Beraten kostenlos bei Hornissenfunden
- Führen Umsiedlungen durch oder vermitteln Kontakte
- Helfen bei der Beantragung von Ausnahmegenehmigungen
- Informieren über Schutzstatus und rechtliche Situation
Kontakt: NABU-Bundesverband unter nabu.de – dort finden Sie auch Ihren lokalen Kreisverband.